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Kaum zu glauben, welch hitzige Debatten geführt werden über ein Thema wovon ich nie gedacht hätte, dass es solche wellen schlägt! Deutschland diskutiert sich schmerzhaft wund zur Beschneidungsfrage.

Die Beschneidung von Jungen aus religiösen Motiven ist eine Straftat!

Diese Feststellung des Landgericht Köln Ende Juni 2012 löste eine Welle der Empörung aus.

Welch ein Aufschrei vom Zentralrat der Juden, muslimischer Verbände und sogar christliche Kreise, sowie sonstiger Kritiker. Doch warum. Das Gericht tat nicht mehr und nicht weniger als das das deutsche Recht anzuwenden:

 in Deutschland ist niemandem erlaubt,      ohne medizinische Indikation ein Kind zu verletzen oder ihm gar einen      Körperteil zu entfernen, auch dann nicht, wenn seine Eltern das so wollen      und/oder ein religiöser Brauch das traditionell so vorsieht,

das Grund- und Menschenrecht      des Kindes auf körperliche Unversehrtheit höher zu bewerten ist als das      Recht seiner Eltern oder einer Religionsgemeinschaft auf freie      Religionsausübung, zumal dann, wenn diese Religionsausübung dem Kind einen      bleibenden Schaden zufügt,

Eltern ihr natürliches      Erziehungsrecht stets nur ZUM WOHLE des Kindes ausüben dürfen, dass eine      medizinisch nicht indizierte Beschneidung grundsätzlich NICHT dem Wohle      des Kindes dient und dass dessen Eltern einem solchen Eingriff daher auch      nicht wirksam zustimmen können. Für den Arzt oder Beschneider bedeutet      das, dass ihn fortan auch eine elterliche Zustimmung nicht mehr vor Strafe      schützt.“

Das Gericht stellte fest, dass nicht ein Beschneidungsverbot, sondern die Beschneidung selbst eine Einschränkung der Religionsfreiheit beinhaltet. Denn das Kind ist durch die Aufdrängung eines  „religiös Symbols“ unfrei.

Ein wahrlich heisses Eisen. Und die polemischen Reaktionen ließen auch nicht lange auf sich warten. Aus jüdischer Sicht:

Einer der schwersten Angriffe auf jüdisches Leben nach dem Holocaust

Ein Verbot der Beschneidung stellt die Existenz der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland infrage

ollte das Urteil Bestand haben, sehe ich für die Juden in Deutschland keine Zukunft.

Der Präsident des Verbandes, der Moskauer Rabbiner Pinchas Goldschmidt.

Welche Perspektiven konkurrieren miteinander?

  • Kinderrecht
  • Selbstbestimmung
  • Religionsfreiheit
  • Elternrecht
  • Menschenrecht auf körperliche Unversertheit

An der Vorhaut hört der Spass auf:

1. Die militanten Atheisten sagen:
“Jedes Urteil gegen Religion ist ein gutes Urteil, weil die Religion das Grundübel ist.”
→ Frage: Wenn Menschen nunmal religiös sind, wird offensichtlich ein Bedürfnis befriedgt. Die Religion gibt es nicht. Aber Menschen die religiös sind.

2. Die religiösen Juden sagen:
“Hier handelt es sich um eine ur-alte Tradition, die zum Kern des Glaubens gehört.”
→ Frage: Spricht nicht gegen die Tradition, das jede Generation neu definieren muss, wie sie Überlieferungen umsetzt, ggf. auch in neuer Form?

3. Die Multi-Kulti-Atheisten sagen:
“Die kulturelle Vielfalt ist eine Bereicherung und sollte nicht eingeschränkt werden.”
→ Vielfalt kann nur koexistieren auf einem gemeinsamen Wertefundament.

4. Die „Sex and the City & Gefilte Fish“-Juden Sagen:
“Haben nicht Wissenschaftler herausgefunden, dass beschnittene Schwänze gesünder und geiler sind?”
→ Frage: war dies eine Doppelblind-Studie? Ansonsten wäre es weniger verwunderlich wenn sich die Studien widersprechen. Damit ist nichts gewonnen.

Dabei wäre aus systemischer Sicht, schon viel gewonnen wenn sich nur jeder aufmachte um die Perspektive des anderen einzunehmen. Dann nämlich wächst das Verständnis für die Positionen und beginnt das Ringen darum diese Spannung auf einer höheren Ebene aufzulösen.

Genau diese höhere Ebene finden wir schon im Alten Testament angekündigt:

Ihr sollt die Vorhaut eures Herzens beschneiden und nicht länger halsstarrig sein. 5.Mose 10,16

Beschneidet euch dem HERRN und beseitigt die Vorhaut eurer Herzen… (Jeremia 4,4)

Aus wissenschaftlich-medizinischer, pschologischer, hygienischer, sozialer und nun auch rechtlicher Sicht ist die Beschneidung sehr wohl kritisch zu sehen!

Und so gibt es wohl keine einfache Antwort. Sondern nur eine Lösung auf einer Metaebene. Genau diese Metaebene bietet der Glaube Christi im Neuen Testament denen, welche an ihre Grenzen stoßen und darunter leiden:

Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und das ist eine Beschneidung, die am Herzen, im Geiste, nicht dem Buchstaben nach vollzogen wird. Eines solchen Lob kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.  (Römer 2,28-29)

Beschnitten sein ist nichts und unbeschnitten sein ist auch nichts, wohl aber Gottes Gebote halten. (1.Korintherbrief 7,19)

In Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch Liebe wirksam ist…. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschnitten- noch Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Kreatur.  (Galaterbrief 5,6; 6,19)

In ihm seid ihr auch beschnitten mit einer Beschneidung, die ohne Hände geschehen ist, durch das Ablegen des fleischlichen Leibes, in der Beschneidung Christi…. nicht mehr gibt es Grieche und Jude, Beschneidung und Vorhaut, Ausländer, Scythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen nur Christus. (Kolosserbrief 2,11; 3,11)

Gott verlangt weit weniger eine Beschneidung des Fleisches, sondern vielmehr des Herzens. Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig. So hat die Diskussion auch etwas Gutes. Denn es wird die Position gestärkt welche das nachhaltige Zusammenleben verbessert.

Was ist mit der „Beschneidung des Herzens“ gemeint?

Also was spricht dagegen wenn mehr Symbolcharakter das thema Beschneidung bestimmt. Der abrahamitische Bund könnte Juden, Muslime und Christen miteinander versöhnen, wenn weniger auf der „Buchstabengläubigkeit“ als auf eine „Beziehungsgläubigkeit“ geachtet würde. Der Vollständigkeitshalber die AT-Bibelstelle über Abraham und die Beschneidung:

Das aber ist mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinem Geschlecht nach dir: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden; eure Vorhaut sollt ihr beschneiden. Das soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch. Jedes Knäblein, wenn’s acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen. […] Wenn aber ein Männlicher nicht beschnitten wird an seiner Vorhaut, wird er ausgerottet werden aus seinem Volk, weil er meinen Bund gebrochen hat. 1.Mose 17,10-14

… die Diskussion hat gerade erst begonnen. Der Geist mit dem sich die Einzelnen begegnen, bestimmt das Ergebnis des Miteinanders. Wird voneinander gelernt, dann wird es auch eine Lösung geben – um des Friedens und der gegenseitigen Wertschätzung willen und um der Kinder willen. Sie sind der eigentliche Schatz den alle Parteien zu schützen vorzugeben. Dazu müssen sich die Religionsvertreter aufeinander zu bewegen und das Wesentliche voneinander in Erfahrung bringen. Um sowohl dem Ritual gerecht zu werden, als auch dem Wohl des Kindes.

Denkbar wäre eine symbolische Handlung für die Beschneidung.

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