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Die Zahl der betrieblichen Fehltage aufgrund von Burnout ist seit 2004 um fast 1.400 Prozent gestiegen

Quelle: BPtK-Studie „Arbeitsunfähigkeit und psychische Erkrankungen 2012

Es ist nicht nur die Arbeit, von welcher viele Menschen das Gefühl der Überlastung haben. Auch die sonstigen Beziehungen und Anforderungen des Lebens verursachen bei Vielen die Stressreaktion „emotionale Erschöpfung“.

Dieses Symptom ist bei weitem nicht auf die hochtechnisierten westlichen Länder begrenzt. Weltweit wird geschätzt, dass es mehr als 200 Millionen Fälle von Depressionen gibt mit steigender Tendenz. Jeder fünfte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen Depression. (CHICHA ’03) Sie kennt weder Alters-, Kultur-, noch Ländergrenzen. Die WHO prognostiziert bis 2020, dass Depression, die zweithäufigste Erkrankung weltweit sein wird nach Herz-Kreislauferkrankungen. Bis 2050 sogar die häufigste Erkrankung. (Nuber ’06 S.20). Bei ca. 15% endet eine schwere Depression im Suizid (Hautzinger ’97 S.169). (Grafische Statistiken weiter unten). Eine Depression kann jeden treffen.

Zurück zum Burnout als „Vorstufe“ einer Depression. Was ist in den letzten 7 Jahren mit uns passiert, dass von 100 Versicherten in 2004, 0,6 Tage wegen Burnout fehlten und in 2011 waren es schon 9 Tage? Tendenz steigend. Und was ist wirklich so „schlimm“ am „Krebs der Seele“?

Das steigende Bewusstsein in den Medien? Die gesellschaftliche Akzeptanz einer „Modekrankheit“? Gestiegene Arbeitsbelastung? Gesellschaftliche Veränderungen? Worin besteht das „Zuviel“, oder auch „Zuwenig“? Ja, auch „zuwenig“ macht krank. Immerhin erhalten Arbeitslose dreimal häufiger Antidepressiva. Das sind jedoch Fragen nach der Ursache. Die es so nicht gibt. Für Burnout, wie für viele andere psychische Erkrankungen, gibt es nicht die „eine Ursache“. Es ist ein multifaktorielles Ereignis innerhalb unseres biopsychosozialen Systems.

Analytische Fragen helfen zur Diagnose, aber nicht zur Veränderung für die Betroffenen. Gleichwohl haben sie ihre Berechtigung um begünstigende und erhaltende Strukturen aufzudecken. Zielorientiert gefragt, geht es jedoch darum, den akut Betroffen schnellstmöglich zu helfen. Deshalb steht eine medizinische, neurologische Abklärung am Anfang und ggf. eine angemessene medikamentöse Behandlung zur notwendigen Stabilisierung um diese Arbeit an sich selbst beginnen zu können. Eine zeitlich begrenzte kompetente Begleitung und Beratung auf dem Weg der seelischen Heilung zahlt sich aus.

Und das halte ich für das Gute am Schlechten. Die Welt ändert sich ständig, jedoch nicht im Sinne von Burn-Out Betroffenen. Somit bleibt eben nur die Konfrontation mit sich selbst, seiner Wahrnehmung, seinen Emotionen und Interpretationen. Auch wenn die Änderung eines Selbstbildes sehr schwer und oft nur in kleinen Schritten erfolgt. Sie ist immerhin möglich. Es gibt Heilung, zumindest Linderung.

Eine systemische Betrachtung, half mir eigene und fremde Anteile am aufrechterhaltenden Muster, sowie mögliche Lösungen zu entdecken. Systemisches Vorgehen, kann schnelle Klärung schaffen, Blockaden lösen, gangbare Auswegmöglichkeiten vermitteln, entsprechend den noch vorhandenen Ressourcen des Betroffenen. Auch Burnout ist eine ernste Erkrankung. Sie muss behandelt werde. Sie kann sich chronifizieren und tödlich enden. Deshalb ist es gut, sie nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Systemisch gesehen, gilt, wo es Schatten gibt, ist auch Licht. Also enthält auch jedes Problem seine eigene Lösung. Allein dass jedes unangenehme Symptom schon einen Änderungswunsch auslöst, gilt es als gutes Zeichen zu würdigen. Leiderfahrungen enthalten Lernaufgaben.

Wer seine Grenzen überschritten, sich verstrickt hat und unter mehrfachem Energiemangel leidet, für den gibt es einen Weg, Schritt für Schritt zurück zu sich selbst und zu neuer Kraft. Auf diesem Weg werden Bedürfnisse wahrgenommen, bisherige Leistungen angemessen gewürdigt. Alte und neue – innere und äußere Ressourcen entdeckt, gewürdigt und angewandt. Stillstand bedeutet Fortschritt, wenn durch den Abstand neue Perspektiven und Möglichkeiten sichtbar werden.

Insofern lautet die Kehrseite der Medaille von „Erschöpfung“ sehr wohl „Schöpferische Pause“. Sie gehören zusammen. Burnout als Ichkrise, will zur Besinnung führen. Besinnung im Umgang mit sich selbst, mit dem Nächsten und mit den vorhandenen Ressourcen. Burnout entsteht als „Überforderungsreaktion“. Burnout als „Sinnkrise“ hat den Sinn zu reparieren und korrigieren was Sinn macht – sich selbst.

Sollten immer mehr Menschen auf diese Weise zur Besinnung kommen, gibt es Hoffnung für die Volksgesundheit. Auch wenn ich den Wunsch verstehen kann, dass es erst gar nicht zum Burnout kommt und kommen muss. Allerdings wäre der menschliche, volkswirtschaftliche, und womöglich globale Schaden, der Entstehen würde, gäbe es dieses Warnsignal „Burnout“ als Vorstufe chronischer bzw. tödlicher psychischer Erkrankungen nicht, ungleich größer.

Und hier einige Statistiken zum Thema Depression:

Entwicklung Diagnose "psychische Störungen"

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