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Ein Hund der stirbt
und der weiß
daß er stirbt
wie ein Hund
und der sagen kann
daß er weiß
daß er stirbt
wie ein Hund
ist ein Mensch.

„Definition“ so der Titel dieses Gedichtes von Erich Fried.

Das Wissen um die eigene Endlichkeit treibt uns Menschen ab dem Moment, an dem wir mit dessen Existenz zum ersten Mal konfrontiert werden. Martin Heidegger meint sogar, dass des Menschen Sterblichkeit sein Menschsein definiert:

Menschliches Sein ist in ausgezeichneter Weise
ein Sein zum Tode.

Wir wissen um unsere Verletztlichkeit, Vergänglichkeit, aber über den Tod selbst wissen wir erst, wenn wir ihn erfahren. Vom Tod selbst sind wir durch einen Ereignishorizont getrennt. Das ändert sich auch nicht durch Nahtoderlebnisse. Denn diese Erfahrungen werden in einem Grenzzustand gemacht,  die Schwelle des Todes wird nicht überschritten. Gleichwohl sind solche Erfahrungen für die Betreffenden so intensiv und mächtig, dass sich ihr Leben in der Regel dadurch nachhaltig änderte. Viele nehmen das Leben intensiver wahr. Die „schönen Dinge“ des Lebens werden genoßen. Achtsamer mit sich und in ihren Beziehungen mit anderen umzugehen wird wichtiger. Einige leben ihren Glauben freimütiger und offener.

Auch wenn wir den Tod selbst nicht beobachten können, sondern nur medizinisch-naturwissenschaftlich, negative Aussagen treffen können, wie z.B. dass die Funktionen des Organismus aufhören, lohnt es sich, sich mit seinem eigenen Ende auseinander zu setzen. 

Rainer Marie Rilke hat sich intensiv mit dem Tod und dem Jenseits auseinandergesetzt. So schrieb er einst einem Freund: „Die Todeserfahrungen meiner letztvergangenen Jahre (1908) sind so zahlreich, dass sie mich verwirren müssten, wenn ich nicht erlernte, dass sie, in unser Leben fallend, ihm nicht entgegen sind, vielleicht zu Lebenserfahrungen werden, zu den gewaltigsten, die ich kenne, … zu einer immensen Erziehung, deren Zwecke noch gar nicht abzusehen sind …“ „Denn Verse“, lässt Rilke ´seinen´ Malte Laurids Brigge sagen, „sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), – es sind Erfahrungen. … Aber  auch bei Sterbenden muss man gewesen sein, muss bei Toten gesessen haben in der Stube mit dem offenen Fenster und den stoßweisen Geräuschen. Und es genügt auch noch nicht, dass man Erinnerungen hat. Man muss sie vergessen können, wenn es viele sind, und man muss die große Geduld haben, zu warten, dass sie wiederkommen. Denn die Erinnerungen selbst  sind es noch nicht. Erst wenn sie Blut werden in uns, Blick und Gebärde, namenlos und nicht mehr zu unterschei­den von uns selbst, erst dann kann es geschehen, dass in einer sehr seltenen Stunde das erste Wort eines Verses aufsteht in  ihrer Mitte und aus ihnen ausgeht.“

Am 24. Januar 1907 zum einjährigen Todestag der Gräfin Luise Schwerin schrieb er sein Gedicht Todeserfahrungen:

Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das
nicht mit uns teilt. Wir haben keinen Grund,
Bewunderung und Liebe oder Hass
dem Tod zu zeigen, den ein Maskenmund

tragischer Klage wunderlich entstellt.
Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen.
Solang wir sorgen, ob wir auch gefielen,
spielt auch der Tod, obwohl er nicht gefällt.

Doch als du gingst, da brach in diese Bühne
ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt
durch den du hingingst: Grün wirklicher Grüne,
wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald.

Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes
hersagend und Gebärden dann und wann
aufhebend; aber dein von uns entferntes,
aus unserm Stück entrücktes Dasein kann

uns manchmal überkommen, wie ein Wissen
von jener Wirklichkeit sich niedersenkend,
so dass wir eine Weile hingerissen
das Leben spielen, nicht an Beifall denkend.

Mitten im Leben vom Tode umfangen sein, darin kann ein neuer Anfang liegen. Denn kaum etwas motiviert uns unserem Leben Sinn und Bedeutung zu geben, als unsere bewusste Auseinandersetzung im Denken Fühlen und Handeln mit der Einmaligkeit unseres Lebens im Hier und Jetzt des einzigartigen Augenblicks – und den damit verbundenen Fragen welche Rolle wir darin spielen.
Mose, der besorgte Führer für das Überleben des Volkes Israels in der Wüste, betet deshalb (Psalm 90,12):

Gott, mach uns bewusst,
wie kurz unser Leben ist,
damit wir zur Besinnung kommen.

Paulus Leben wurde durch die Begegnung mit dem Auferstandenen Jesus radikal von einem Christenverfolger zu einem Christusnachfolger verändert. In großer Gelassenheit reflektiert er seine Auferstehungshoffnung (1.Korintherbrief 15,55):

 Der Tod ist auf der ganzen Linie besiegt!
Tod, wo ist dein Sieg?
Tod, wo ist dein tödlicher Stachel?«

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