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Komme gerade von einem weiteren dreitägigen Aufbaukurs für Strukturaufstellungen in Marburg bei Dietmar Pfennighaus zurück.
Wir waren 13 Personen und kennen uns nun seit mehr als einem Jahr.
Wir lernen Aufstellungen zu leiten und durchzuführen von der Auftragsklärung über die Aufstellung bis zum Lösungsbild.

Jedes der intensiven Selbsterfahrungsseminare vom Einführungsseminar bis zu den Aufbaukursen, hat mich tief bewegt. Sie wirken sich heilsam auf meine Beziehungen und Persönlichkeitsentwicklung aus. Insbesondere meine Intuition, emotionale Kompetenz und Empathiefähigkeit haben sich entwickelt. Fachlich tiefgründig und biblisch fundiert begleitet, lerne ich den Schatz meiner ungenutzten Anlagen und Fähigkeiten schrittweise entdecken, heben und aneignen. In den Reflektionen, Übungen und biblischen Impulsen wurde mein Verständnis, die Bauchwahrnehmung und mein Herz angesprochen. Den Themen mit Körper, Seele und Geist nachzuspüren war reichlich Raum. Das Miteinander in der Gruppe weckte Lebensfreude, Entdeckerlust und Gelassenheit. Insbesondere die absichtslose, achtsame und wertschätzende Haltung von Dietmar Pfennighaus beeindruckt. Auf die vielen Impulse aus den lösungsorientierten Übungen und Systemaufstellungen greife ich als systemischer Berater und Seelsorger gern zurück

Hier der Link zum Institut bzw. Initiative zur weiteren Info mit umfangreichem Material worum es geht:
www.isbus.net

Bei Strukturaufstellungen geht es also darum destruktive Beziehungsmuster zu unterbrechen und gut in Beziehung zu kommen, mit uns selbst mit unseren Nächsten und mit Gott.

Begriffsklärung: Strukturaufstellungen werden auch Systemaufstellungen genannt. Es gibt verschiedene Typen von Systemaufstellungen: Familienaufstellungen, Teamaufstellungen, Organisationsaufstellungen, Symptomauftstellungen usw.

Die Ausrichtung und Fokussierung in komplexen, weil lebenden Systemen, gilt der Ressourcenorientierung.
Die Grundannahme lautet: Wer ein Problem hat, hat auch die Lösung „im Gepäck“. Es gilt nur, sie zu entdecken. Somit erfordert es nur eine Portion Experimentierfreude um durch Unterscheidungen und Perspektivwechsel bislang ungenutzte Ressourcen zu nutzen für gute Lösungen und Möglichkeiten. Die Wahrnehmung wird erweitert.

Es gibt grundsätzliche konstruktive Haltungen in der Systemischer Seelsorge, welche zugleich den ethischen Rahmen bilden:

Geheimnisse dürfen sein

…nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns (Max Frisch)

Jeder Mensch ist ein Geheimnis und hat Geheimnisse, die es zu würdigen gilt.

…ja immerhin ist (der Mensch) ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat…. Du sollst dir kein Bildnis machen, heißt es von Gott. Es dürfte auch in diesem Sinne gelten: Gott als das Lebendige in jedem Menschen, das, was nicht erfassbar ist. Es ist eine Versündigung, die wir, so wie sie an uns begangen wird, fast ohne Unterlass wieder begehen – ausgenommen wenn wir lieben. (Max Frisch)

Was wir vom anderen wahrnehmen können, ist nur ein winziger Ausschnitt seiner/ihrer vielfältigen Persönlichkeit. Und das ist gut so. Wenn uns jemand etwas Neues von sich zeigt, so ist es ein Gebot der Liebe diesem mit großer Achtung und Ehrfurcht zu begegnen und dies als sein/ihr Geheimnis zu bewahren. Die Entscheidungen welche ein Ratsuchender trifft und getroffen hat, werden nicht bewertet. Darüber gilt Schweigepflicht.

Absichtslosigkeit

Wie gerne würden wir diejenigen verändern, von denen wir glauben, dass sie uns das Leben erschweren. Dabei ist sonnenklar, dass wir niemanden verändern können. Nach Gottes Plan geht es auch nie darum, dass wir andere ändern. Enttäuschte Erwartungen wie jemand sich verhalten soll, weisen zunächst auf eine unerledigte Aufgabe im Erwartenden hin. So muss ich nichts bewegen und auch nichts ändern. Diese Haltung ist sehr befreiend und entlastend für einen Seelsorger. Erst mit dieser Haltung anderen gegenüber gelingt es uns, uns in kleinen Schritten selbst zu ändern. (Römer 12,2) Und es sind diese, meine Veränderungen, auf Menschen, mit denen ich in Verbindung stehe, welche einen bedeutungsvollen Einfluss haben werden.

Wertschätzung

Jeder Mensch ist grundsätzlich ein Meisterwerk Gottes (Psalm 139). Er ist Teil des umfassenden Meisterwerks Gottes der Schöpfung.  Die Wunder der Schöpfung lassen uns staunen und faszinieren uns. Es ist das Geschenk des Lebens, welches kein Mensch bewerkstelligen kann. Gott hauchte uns seinen Lebensatem ein. Das verleiht uns eine große unverlierbare und unverletzliche Würde. Wir kommen schutzbedürftig zur Welt. Ohne liebevolle Zuwendung von unseren Eltern oder anderen Bezugspersonen würden wir nicht überleben. Jeder repräsentiert durch sein Dasein die Liebe von Eltern und andere Bezugspersonen. Jeder verdient es, dass andere um sein Leben kämpfen, wenn es in Gefahr ist. Niemand darf gegen seinen Willen um eines anderen Menschen willen, oder einer Idee geopfert werden. Was immer wir einander auch antun. Es gibt eine unerschütterliche Würde die jeden zu einem Würdenträger macht.
In Gottes Augen sind wir so wertvoll, dass er unseren Leib als Tempel des Heiligen Geistes bestimmt hat (1.Korintherbrief 6,19). Wer das vergisst, neigt auch dazu seinen Leib weniger zu würdigen. Den Leib eines anderen zu berühren und anschauen, darf nur mit dessen Einwilligung erfolgen, bzw. in höchstem Respekt erfolgen. Heiliges ist niemals Mittel zum Zweck und darf nicht einfach benutzt werden. Deshalb ist jeder Körper schön und wertvoll, ungeachtet der herrschenden Schönheitsideale.
Unsere Gefühlswelt, unser Seelenleben ist jenseits von Gut und Böse. Gott hat uns dieses Spektrum gegeben, damit wir sie würdigen. Jede Emotion, jedes Gefühl ist für etwas gut. Die unangenehmen dadurch, dass wir sie überwinden lernen, die angenehmen, damit wir einander dienen.
Unsere bewusste Entscheidungsfähigkeit ist eine Gabe Gottes. Gott selbst ist sie heilig und unantastbar. Gott manipuliert niemanden und bricht nicht den Willen. Es geht nicht darum, alle Überzeugungen und Ansichten zu teilen und zu verstehen, sondern dem Menschen als Ganzem mit Achtung und Toleranz zu begegnen.

Achtsamkeit

Systemische Seelsorge möchte der verborgenen Liebesspur Gottes im Leben nachspüren, welche Gott in jeden hineingelegt hat. Tief in uns wissen wir, dass es unser eigenes Glück einschränkt, wenn unsere Nächsten unglücklich sind. Jeder möchte deshalb dass es seinen Angehörigen, Kindern und Kindeskindern gut geht. Jeder hofft auch, dass es mit ihm selbst gut weitergeht. Es gibt die Sehnsucht des Menschen andere zu lieben.

Ausnahmen

In der Regel nehmen wir zuerst die Defizite wahr. Das entspricht jedoch nicht der Realität. Jedesmal wenn wir an unsere Probleme denken, davon erzählen und uns damit beschäftigen, geraten wir immer mehr in eine Problemtrance. Es geht uns immer schlechter. Hilfreich sind die Überlieferungen in und unter allen Umständen nicht zu vergessen, was uns bereits geschenkt wurde und immer noch geschenkt ist: (z.B. 1.Thessalonicherbrief 5,18; Phillipperbrief 4, 4-6; Psalm 103, 2)
Realistischer ist es deshalb sich um eine ausgewogenere Sicht zu bemühen. Es gibt immer Ausnahmen von einer Regel. Pauschalierungen und Generalisierungen werden der Vielfalt und Differenzierung mit dem wir es zu tun haben nicht gerecht.

Verbundenheit

Außerhalb von Beziehungen können wir kaum etwas denken und handeln. Gott hat uns als Beziehungswesen erschaffen. Wir sind auf vielfältige Weise mit dem Leben und miteinander und dem Leben verbunden. Jede Form von Problemlösung hat deshalb auch mit dem Finden eines guten Platzes in unserem Beziehungsnetz zu tun, ohne dass die Verbundenheit abreißt. Jede Veränderungen hat Auswirkungen auf alle anderen im System. Auch wenn unsere Beziehungen uns manchen Ärger und Angst bescheren, sind sie zugleich die Quelle aller anderen Ressourcen.

Perspektivwechsel

Lineares Denken, welches jede Erscheinung auf eine Usache-Wirkungskausalität zurückführen möchte, ist wenig hilfreich gute Lösungen zu finden. Dafür sind die systemischen Beziehungen zu komplex. Sie enthalten aufgrund der Fragestellung nach Schuldigen, oder einer Ursache, kein Ziel. Dies mindert die Selbstwirksamkeit und verstärkt die Leiden. Zudem sind analytische und diagnostisch orientierte Denkweisen, weniger effizient, wenn es darum geht gute Veränderungen zu erzielen. Die Komplexität erhöht sich solange wir analysieren, differenzieren und verstehen wollen um „richtige Entscheidungen“ zu trefffen.

Dabei haben wir intuitiv bereits eine Entscheidung getroffen, welche wir über den Verstand „nachträglich“ prüfen und  legitimieren.

Hilfreicher, als der Blick zurück, sind Fragen nach guten Zielen, Lösungen und Möglichkeiten. Auch unangenehme Situationen und Erfahrungen enthalten ihren Sinn und ihr Gutes. Gott will uns auch schweren Situationen ganz besonders nahe sein und beistehen. (Römer 8,28). Die „frohmachende“ Botschaft des Evangeliums liegt darin, dass wir die Fähigkeit und Möglichkeit zum Perspektivwechsel, zur Metanoia (Umdenken) haben. Diese Ressource schafft Veränderung.

Was passiert bei Systemaufstellungen?

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Deshalb möchte ich das Bild des Mobile zur Verdeutlichung dessen, was in Systemaufstellungen passiert verwenden.
Ein Mobile stellt ein System dar, wodurch jedes Element, mit allen anderen verbunden ist. Wenn ich nun ein Element bewege, dann bewegen sich alle anderen Elemente ebenfalls. Es ist nicht möglich nur ein Element in seiner Position zu verändern, ohne dass sich andere Elemente ebenfalls in ihrer Position verändern.

Die „repräsentierende Wahrnehmung“ beliebiger Stellvertreter in einem System ist niemals zufällig.
Sie wird von der Position (Ausrichtung, Zuordnung), bzw. der Nähe/Distanz der Repräsentanten bestimmt.
Jede Position in einem Raum entspricht einer bestimmten Sprache.

Systemaufstellungen sind heute empirisch-wissenschaftlich gut untersucht und in ihrer Wirksamkeit bestätigt. Daran ist nichts mystisches und geheimnisvolles. Das Leben selbst in seiner für den Verstand ungeahnten Vielfalt an Möglichkeiten und Fähigkeiten sich anzupassen und zu überleben wird repräsentiert.

Es ist eine effektive und effiziente Methode unsere Klarheit in komplexen Beziehungssystemen zu erhöhen. Die Wahrnehmung erfolgt genzheitlich. In Systemaufstellungen fließen mehr Informationen in einer „Gesamtwahrnehmung“. Reine „sprach- und kopflastige“ Gespräche sind wenig effizient. Ja, führen oft genug zu weniger guten Ergebnissen. Die Nähe/Distanz sowie die Positionierung der relevanten Beteiligten in einem „gestörten“ System erweitert die Wahrnehmung in Systemaufstellungen. Die wahrgenommene Spannung bei den Stellvertretern führt zu einer Dynamik und Bewegung in Richtung heilsamer und verträglicher Balance und Verträglichkeit. Das Lösungsbild wird mit einfachen, wirkungsvollen Zusprechungen im Bewusstsein des Auftraggebers verankert.

Die nachhaltige Wirksamkeit zeigt sich in der Verhaltensänderung, welche im Grunde auf einer Haltungsänderung beruht, ausgelöst durch eine Wahrnehmungsänderung in einer Erfahrung.

Links

Peter Schlöter hat ein Video erstellt, über die empirisch-wissenschaftliche Untersuchung der Wirksamkeit von Systemaufstellungen:

Epilog mit Fritz B.Simon

Die Bücher von Peter Schlötter erbringen den empirisch-wissenschaftlichen Nachweise:

Vertraute Sprache und ihre Entdeckung: Systemaufstellung sind kein Zufallsprodukt – der empirische Nachweis:

Das Spiel ohne Ball im Unternehmen: Kommunikation sichtbar machen und verbessern:

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